Die mühsame Suche nach neuen Wegen

Frithjof Kühn stellt sich in Birlinghoven Gegnern der Entlastungsstraße

Von Michael Lehnberg

Rhein-Sieg-Kreis. Es war nicht die Höhle des Löwen, in die Frithjof Kühn am Montagabend gekommen war. Aber der Landrat stand allein auf weiter Flur mit seiner Meinung zur Südtangente.

38449-1 Kommen nicht auf einen Nenner: Landrat Frithjof Kühn (rechts) und die Südtangenten-Gegner diskutieren in Birlinghoven. Foto: Ingo Eisner

Kühn will offenbar noch immer nicht so recht daran glauben, dass die vom Kabinett gänzlich aus dem Bundesverkehrswegeplan gestrichene Entlastungsstraße vom Tisch ist (der GA berichtete).

"Das muss ja noch in den Bundestagsgremien beraten werden. Man kann formal noch nicht von einem endgültigen Aus sprechen", sagte Kühn auf Einladung des Vereins "Lebenswerte Siebengebirgsregion" vor rund 30 Gästen im Haus Lauterbach in Birlinghoven. Kopfschütteln allenthalben über den "Don Quichote der Südtangente", wie es Jürgen Klute ausdrückte.

Viele Birlinghovener wollen die Trasse nicht. Das gaben sie dem Südtangeten-Befürworter Kühn auch sehr deutlich zu verstehen. Laute Proteste, als der Landrat sagte, der Kreis habe sich für die Menschen in Ittenbach und Dollendorf entschieden.

"Was mit den Menschen in Rauschendorf, Dambroich oder Birlinghoven passiert, davon spricht niemand", ereiferte sich Angelika Günther und kritisierte, dass die Verkehrsprobleme mit der Südtangente nur verlagert würden. Naherholungsgebiete würden einfach kaputtgemacht. "Das alles beachten Sie überhaupt nicht." Es gebe keine umweltverträglich Lösung.

Kühn verteidigte seine Position. "Diese Region braucht im Interesse der Menschen eine zweite durchgängige Verbindung." Die Flughafenautobahn sechsspurig auszubauen sei dagegen eine Fehlentscheidung. Das sei aber gerade der Kernpunkt, meinte ein Bürger. "Da sind doch die Dauerstaus."

Ein anderer führte aus, dass zwei Drittel des auf der Südtangente zu erwartenden Verkehrs gar nicht jener der Ittenbacher oder Dollendorfer wäre. Von einer Entlastung könne man da nun wirklich nicht sprechen. "Dollendorf liegt doch viel zu weit weg", sagte Klute. Man müsse bedenken, dass die Verkehrsbelastung zwangsläufig sei, wenn die Stadt Königswinter immer mehr Baugebiete ausweise. "Die müssen überlegen, ob das noch so weiter gehen kann."

Einig waren sich dann alle mit Jürgen Maier, Vorsitzender des Vereins Lebenswertes Siebengebirge, dass der Abend keine "728. Auflage einer 36 Jahre währenden Diskussion" werden sollte.

"Wir müssen nach vorne schauen und gemeinsam nach Alternativen suchen", brachte Maier eine Qualitätsoffensive Öffentlicher Personennahverkehr ins Gespräch, etwa eine Linie von Birlinghoven zur Bonner Südbrücke. "Das haben wir ihnen bereits vorgeschlagen, und es ist noch nicht einmal geprüft worden." Kühn widersprach, dass das eine Lösung sei. "Eine Attraktivitätssteigerung des ÖPNV dürfte im Siebengebirge äußerst schwer sein."

Was also tun? Vorgeschlagen wurde ein Hearing mit Vertretern der betroffenen Kommunen, des Kreises sowie Verkehrs- und ÖPNV-Experten. Das stieß bei Kühn auf Skepsis. Für ihn gebe es keine Alternative: Er vertrete den Bau der Südtangente mit voller Überzeugung. "Umgehungsstraßen für Ittenbach und Dollendorf wird es mit mir nie und nimmer geben."

Das sei laut Maier auch nicht im Sinne der Menschen im Siebengebirge. "Wir haben auch keine Patentlösungen, aber wir als Gegner der Südtangente können uns nicht einfach aus der Diskussion verabschieden und stehen in der Bringschuld."

(Generalanzeiger Ausgaben St.Augustin und Königswinter, 09.07.2003)