Der Venusbergtunnel - 
ein Anachronismus aus dem letzten Jahrhundert

Lange Zeit hatte ziemliche Funkstille in Sachen linksrheinischer Südtangente geherrscht. Im Februar 2002 kam dann ausgerechnet der Wachtberger Gemeinderat auf die Idee, dieses Fossil wiederzubeleben. In einem durchsichtigen Akt von St.Florianspolitik forderte Wachtberg, seinen unerwünschten Verkehr doch bitte auf die Südtangente nach Bonn abzuladen (GA 14.2.02), statt die hausgemachten Probleme selber zu lösen. Völlig daneben verhielt sich die Wachtberger SPD: sie erklärte die Resolution zum CDU-Wahlkampfmanöver, stimmte aber dennoch zu. Sehr überzeugend!
Es blieb dem Bonner CDU-Bundestagskandidaten Stephan Eisel vorbehalten, im Wahlkampf ausgerechnet diesen Ball aufzunehmen und sich für die Südtangente einzusetzen, und zwar auf beiden Rheinseiten.  Entlang der Trasse wiesen dementsprechend die Bürgerinitiativen mit flächendeckenden Flugblattaktionen die Wählerinnen und Wähler auf diesen bemerkenswerten Tatbestand hin.  
Die linksrheinischen Initiativen blicken zurück auf 30 Jahre aktiven Widerstand gegen den Venusbergtunnel und die Südtangente. Noch einmal so lange gegen dieses hirnlose Projekt kämpfen zu müssen, erfüllt uns nicht gerade mit Begeisterung. In der sicheren Überzeugung, in den Bonner Vertretern von SPD und Grünen ebenso engagierte und überzeugte Ablehner der Südtangente zu haben, sprachen wir uns in Wahlkampfzeiten auf unseren Flugblättern und an Infoständen immer wieder deutlich für eine Wahl dieser beiden Parteien aus.
So 1994, als der erste rot-grüne Stadtrat in Bonn gewählt wurde und wie versprochen die Ablehnung der Südtangente im Rat offiziell durchsetzte. Unsere große Hoffnung setzten wir dann auf den 1998 gewählten rot-grünen Bundestag. Wir glaubten, nie eine größere Chance zu haben, das Projekt nun endgültig aus dem Bundesverkehrswegeplan zu bekommen: Auf allen politischen Ebenen – Stadt, Land und Bund – SPD und Grüne. Jetzt sollte es klappen!
2002 - die nächsten Bundestagswahlen waren da, die Südtangente immer noch im Vordringlichen Bedarf des Bundesverkehrswegeplans. Wir waren – und sind – sehr enttäuscht. Doch obwohl in unseren Gruppen mehrheitlich der Beschluss gefallen war, nicht wieder in den Wahlkampf einzugreifen, haben wir es auch diesmal getan. Denn: Eine starke grüne Fraktion im Bundestag ist immer noch die sicherste Gewähr für eine vernünftige Verkehrspolitik. Und einen Direktkandidaten Eisel, der versprochen hatte, den Bau der Südtangente in Berlin voranzutreiben, durften wir nicht zulassen.
Also formierte sich der Widerstand in Röttgen, Ückesdorf, Ippendorf, auf dem Venus­berg, in Lengsdorf, Poppelsdorf, Kessenich, Dottendorf und Friesdorf. Wieder gingen viele Aktive von Tür zu Tür, verteilten Flugblätter und klärten auf. Wir empfahlen die Wahl des SPD-Kandidaten Kelber, der uns zusicherte, in Berlin vehement gegen den Bau der Südtangente anzugehen. Ebenso sprachen wir uns für die Wahl von Bündnis 90/Die Grünen aus, die am glaubhaftesten eine Verkehrspolitik der Zukunft vertreten.
Unsere Aufklärungsarbeit hat zu dem deutlichen Wahlergebnis beigetragen:
Das Direktmandat fiel an Uli Kelber, SPD, gewählt mit fast 40% der Erststimmen. Herrn Eisels schlechtes Abschneiden allein mit dem Abwandern der Wähler zu Westerwelle erklären zu wollen, wäre zu einfach. Denn auch das Zweitstimmenergebnis der CDU war schlecht. Warum wohl? Und auch die FDP konnte den Westerwelle-Erfolg keineswegs im Parteiergebnis bestätigen. Warum wohl? Hier wurde schlechte politische Arbeit auf kommunaler Ebene abgestraft. Wer heute noch glaubt, Politik mit Rezepten von gestern – siehe Südtangente - machen zu können, wird eines Besseren belehrt.
Die wahren Sieger dieser Wahl waren die Grünen: Das bundesweit gute Ergebnis von 8,6% (plus 1,9%) wurde in Bonn mit einem Rekord von 15.6% (plus 3,8%) noch weit übertroffen. In den von der Südtangente betroffenen Orten Friesdorf, Dottendorf, Kessenich nahm der Anteil der Zweitstimmen um Werte zwischen 4,3 und 5,3% zu! Selbst in dem traditionell konservativen Wahlbezirk Venusberg / Ippendorf erhielten die Grünen 14,8% (plus 4,1%) der Stimmen.
Im Augenblick können Sie auf dieser Seite folgendes abrufen:
  • Stellungnahme der Aktionsgemeinschaft Friesdorf/Dottendorf zu den Auswirkungen der linksrheinischen Südtangente als website
    und zum Herunterladen als pdf-Datei (22 KB)

  • Flugblatt (172 KB) der Aktionsgemeinschaft "Kein Tunnel durch den Venusberg" mit einer Skizze des Verlaufs der linksrheinischen Südtangente

  • Presseerklärung des Bundestagsabgeordneten Ulrich Kelber zur Weigerung der Bonner CDU im Bonner Rat am 9.März 2001, eine offene Diskussion über die negativen Konsequenzen der Südtangente für Bonn zuzulassen

  • Umweltverträglichkeitsstudie über die linksrheinische Südtangente

  • Aktuelle Bewertung der linksrheinischen Südtangente durch das Bundesverkehrsministerium


 

05.11.02