Südtangente

- ein Luftschloss als Ersatz für wirkliche Verbesserungen


Die grösste Beeinträchtigung der Lebensqualität in vielen Orten des Siebengebirges, gerade auch in Dollendorf, ist die teilweise enorme Belastung durch zuviel Autoverkehr.

Seit einiger Zeit propagiert die Königswinterer CDU und in ihrem Gefolge auch die SPD wieder die sogenannte »Südtangente« als einzig mögliche Lösung, um eine Verkehrsentlastung für Orte wie Dollendorf und Ittenbach zu erreichen. Am 14.12.2000 hat der Planungsausschuss des Königswinterer Stadtrats in einer Sondersitzung ein weiteres Mal beschlossen, diese neue Bundesstrasse zu fordern. Sie soll die A3 mit der Bonner Südbrücke direkt verbinden und an den Königswinterer Ortsteilen Rauschendorf, Stieldorf und Vinxel sowie St.Augustin-Birlinghoven und den Bonner Stadtteilen Hoholz, Niederholtorf und Oberholtorf vorbei und anschliessend durch einen Tunnel ins Rheintal verlaufen. Zugrunde liegt eine Verkehrsuntersuchung aus dem Februar 1998, die z.B. einen Anstieg des Verkehrs auf der L268 (nach Thomasberg) bis 2010 um 31% prognostiziert, wenn die Südtangente nicht gebaut wird, um dann mit der Südtangente wieder eine Entlastung gegenüber der Prognose für 2010 um 37% vorherzusagen. Die Entlastung gegenüber heute fällt also recht gering aus. In der ganzen Studie wird nicht mit einem Satz die Möglichkeit erwähnt, den vorhergesagten Anstieg des Autoverkehrs um über 30% durch forcierte Entwicklung von Alternativen vielleicht gar nicht stattfinden zu lassen.

Die in der Sitzung vorgestellte »Umweltverträglichkeitsstudie« stellt fest, dass die geplante Strasse tiefgreifende Auswirkungen auf das Landschaftsbild haben wird und die Umwelt durch eine verstärkte »Verinselung der Freiräume« belasten wird, und rät vom Bau ab. Ob das Projekt überhaupt mit dem europäischen Umweltrecht vereinbar ist, ist strittig und wird letztendlich in langwierigen Prozessen von den Verwaltungsgerichten geklärt werden müssen.

Das Projekt »Südtangente« ist ein erneuter Versuch, zuviel Autoverkehr damit aufzufangen, dass man eben neue Strassen baut. Ein aussichtsloser Versuch. »Jeden Morgen, jeden Abend dasselbe Bild: kollektiver automobiler Stillstand. Endlos lange Fahrzeugschlangen quälen sich durch die Bonner Strassen und über die Autobahnen.« Ursache: das ständig steigende Verkehrsaufkommen (Generalanzeiger 9.12.00). Die »Südtangente« ist allein schon deshalb sinnlos, weil sie die Autofahrer vielleicht etwas schneller in den Stau bringt, der spätestens vor der Südbrücke beginnt, aber nicht schneller und bequemer ans Ziel.

Geplant wird diese Strasse seit Mitte der 70er Jahre des letzten Jahrhunderts. Seitdem ist sie so umstritten wie unrealistisch. Mindestens 140 Millionen Mark soll das Projekt kosten, die die Bundesregierung bezahlen soll. Schon in 16 Jahren CDU-Bundesregierung, als Sparen noch nicht so hoch im Kurs stand, war für das Lieblingsprojekt der Königswinterer CDU kein Geld da. Das Verkehrsministerium hat nun erklärt, bis 2003 ruhen alle Planungen.

Selbst wenn alles so läuft, wie sich der Königswinterer Rat das vorstellt, würden Planung und Bau der Strasse nun mindestens 15 Jahre dauern, wahrscheinlich eher länger. Vorher ändert sich an der Belastung beispielsweise von Dollendorf überhaupt nichts, im Gegenteil: der Auto-Verkehr soll laut Prognose um über 30% zunehmen. Auf die Frage des General-Anzeigers (20.1.01), was die CDU bis zu einer eventuellen Realisierung der Südtangente tun will, um dem verkehrsbelasteten Siebengebirge zu helfen, antwortete der Chef der CDU-Kreistagsfraktion Heuel, das sei alles Flickwerk. Also tut man nichts.

Sollen die betroffenen Orte 15 Jahre warten, bis sich an der Verkehrssituation etwas verbessert? Wollen Sie so lange warten? Wollen Sie die nächsten 15 Jahre immer noch mehr Autoverkehr in Dollendorf?

Finden Sie nicht auch, dass ein Stadtrat, der die Belastungen durch den »ständig steigenden Autoverkehr« einfach als gottgegeben hinnimmt und sie durch immer neue Strassen sogar noch ausweiten will, zu kurz denkt? In Königswinter leben schliesslich nicht nur Autofahrer, die immer mehr Auto fahren wollen, sondern auch Menschen, die noch etwas Natur im Siebengebirge erhalten wollen. In Königswinter leben auch Menschen, die sich seit Jahren über den unbefriedigenden Zustand des öffentlichen Verkehrs ärgern und damit über die Tatsache, dass sie von Stadt und Kreis dazu gezwungen werden, selbst zum »ständig steigenden Autoverkehr« beizutragen.

Die Südtangente ist ein Luftschloss, das frühestens in 15 Jahren, höchstwahrscheinlich aber gar nie kommen wird.

Die Königswinterer CDU und in ihrem Gefolge auch die örtliche SPD betreiben mit der gebetsmühlenartig wiederholten Forderung nach der Südtangente nur parteipolitische Profilierung. Für die Erfüllung dieser Forderung sind andere zuständig, nämlich der Bund. Wenn es darum geht, selbst etwas zu tun, nämlich reale und sehr konkrete Verbesserungen, herrscht Funkstille.

Die Stadt Königswinter erschliesst im Bergbereich ein Baugebiet nach dem anderen. Für einen entsprechenden Ausbau des öffentlichen Verkehrs wird nichts getan, die Leute sollen bitteschön Auto fahren – z.B. durch Dollendorf nach Bonn. Die Strassenbahn Linie 66 fährt auf Bonner Stadtgebiet alle 10 Minuten an den Südbrücken-Staus elegant vorbei; nach Königswinter und Bad Honnef aber viel seltener, weil diese Städte und der Rhein-Sieg-Kreis dafür nichts bezahlen wollen. Sie muss deutlich öfter fahren und braucht effiziente Zubringerbusse aus den Bergorten. Bürgermeister Wirtz (CDU) lässt sich lieber bei der Eröffnung neuer Parkplätze in der Altstadt ablichten (GA 15.12.00). Dass diese Parkplätze wieder Durchgangsverkehr woanders verursachen, verschweigt er lieber.

Wo war der Protest der Königswinterer CDU, als im Januar DT-Mobil stolz dem Bonner Rat ankündigte, 3050 zusätzliche Parkplätze in Ramersdorf für ihre Erweiterung zu bauen, weit mehr als die Bauordnung vorschreibt? Ein erheblicher Teil dieser 3050 Autos fährt demnächst durch Dollendorf. Wo war der Protest der Königswinterer SPD, als entsprechendes zu Bonner Rot-Grün-Zeiten mit dem Post-Tower ablief?

Die Lösung für zuviel Autoverkehr in Dollendorf kann nicht darin bestehen, den Verkehr eben anderen Leuten vor die Nase zu setzen. Wer dies will, spielt einen Ort gegen den anderen aus. In Vinxel, Holtorf und anderen betroffenen Orten wehren sich immer mehr Bürger gegen die geplante Südtangente.

Wir appellieren an die Bürger Dollendorfs: Lassen Sie sich nicht von den Parteien mit dem Luftschloss Südtangente an der Nase herumführen. Fordern Sie von der Königswinterer CDU und SPD konkrete Verbesserungen jetzt. Bei vorhandenem politischem Willen geht das sehr viel schneller, billiger und auch nicht auf Kosten anderer Bürger. Statt 140 Millionen für eine sinnlose Strasse zu verpulvern, brauchen wir das Geld für solche praktischen Alternativen.

· Der Zwang dazu, immer mehr Auto zu fahren, muss beseitigt werden. Wir brauchen eine attraktive Alternative zu Stau, Dreck, Lärm und Landschaftszerstörung - nämlich moderne öffentliche Verkehrsmittel, die uns schneller und bequemer ans Ziel bringen als das Auto. Das ist Sache der Stadt und des Kreises, also vor allem der CDU.

· Wir brauchen Landesgesetze, die es für Arbeitgeber unattraktiv machen, mit überzogenen Parkplatzangeboten immer neuen Autoverkehr zu verursachen. Die Kosten dafür können die Arbeitgeber sich sparen. Stattdessen sollen sie verpflichtet werden, sich an der Finanzierung des öffentlichen Verkehrs für ihre Mitarbeiter zu beteiligen. Wir brauchen keine Millionen vom Bund für sinnlose Strassenneubauten, sondern für einen Ausbau des öffentlichen Verkehrs. Das ist Sache von Land und Bund, also vor allem der SPD.

Wir brauchen solche Zukunftsinvestitionen statt überholte Strassen-Planungen aus dem letzten Jahrhundert.


Mehr Informationen finden Sie im Internet unter www.suedtangente.de

ViSdP: Vinxel: Jürgen Maier, Angela Grossmann, Alter Heeresweg 32; Andrea Trabert-Kirsch, Berthold Kirsch, Frankenforster Weg 3a; Dr.Undine Büttner-Peter, Alter Heeresweg 43; Birlinghoven: Angelika Guenther, Rautenstrauchstr 84; Holtorf: Susanne Gura, Burghofstr 116; Heinrich Schöpe, Ramersdorfer Str 31; Rauschendorf: Dr Hartmut von Trotha, Am Kachelstein 6.